Geopolitische Volatilität: Europas Aktienmärkte reagieren nervös auf Iran-Konflikt

24.03.2026


Europas Aktienmärkte haben zum Wochenauftakt eine abrupte Kehrtwende hingelegt. Nach teils deutlichen Anfangsverlusten schlossen die wichtigsten Indizes am Montag überwiegend im Plus. Auslöser der starken Schwankungen war die angespannte Lage im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump verschob nach eigenen Angaben angekündigte Angriffe auf iranische Energieanlagen, weil es "produktive Gespräche" mit Teheran gebe. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf wies dies zurück und erklärte, es habe keine Verhandlungen mit den USA gegeben.

Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, rutschte am Vormittag zunächst auf 5376 Punkte ab und markierte damit den niedrigsten Stand seit September. Hintergrund waren Befürchtungen, der Iran könnte zur Vergeltung weitere Öl- und Gasanlagen in der Golfregion angreifen und die für den globalen Energiehandel zentrale Straße von Hormus vollständig schließen. Nach Trumps Ankündigung eines befristeten Aufschubs der Angriffe setzten jedoch kräftige Käufe ein: Zur Mittagszeit drehte der Index zeitweise um 2,5 Prozent ins Plus auf 5635 Punkte, zum Handelsschluss stand noch ein Gewinn von 1,33 Prozent auf 5574,32 Zähler zu Buche.

Auch andere große Handelsplätze in Europa pendelten heftig. In Frankfurt weitete der DAX nach einem zwischenzeitlichen Sturz auf 21.863 Punkte – ein Tief seit April 2025 – seine Verluste nicht weiter aus, sondern legte bis zum Mittag um 2,61 Prozent auf 22.964 Zähler zu. In der Schweiz drehte der SMI nach schwachem Start ins Plus und schloss 0,56 Prozent höher bei 12.389,68 Punkten, zur Mittagszeit hatte er mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent sogar noch stärker zugelegt. In London fiel die Erholung deutlich moderater aus: Der FTSE 100 konnte sich zwar zeitweise um 0,3 Prozent auf 9952 Punkte verbessern, beendete den Handel letztlich aber 0,24 Prozent leichter bei 9894,15 Zählern.

Branchenweit standen zunächst alle Sektoren unter Druck, bevor die Stimmung mit den Signalen aus Washington kippte. Viele in den vergangenen Tagen deutlich gefallene Sektorindizes drehten deutlich ins Plus, am stärksten der Rohstoffsektor mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent. Experten der UBS beschrieben die Anleger bereits am Morgen in einem Dilemma: Einerseits sorge die gespannte Lage an den Energiemärkten für hohe Unsicherheit, andererseits eröffne jede Andeutung einer Entspannung im Konflikt Chancen auf eine rasche technische Erholung. Die heftigen Ausschläge am Montag illustrierten, wie sensibel die europäischen Börsen derzeit auf jede neue geopolitische Nachricht aus dem Golf reagieren.

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Energie-Bilanz der Erde rutscht in Rekordminus – Folgen über Jahrhunderte

24.03.2026


Die Erde speichert nach Angaben der Weltmeteorologieorganisation (WMO) so viel Wärme wie nie zuvor seit Beginn der Messreihen. Das von der UN-Agentur veröffentlichte "State of the Global Climate 2025"-Gutachten bescheinigt dem globalen Klimasystem einen beispiellosen Energieüberschuss. UN-Generalsekretär António Guterres sprach anlässlich der Vorlage des Berichts von einem globalen Klima, das sich in einem Notstand befinde; alle zentralen Klimaindikatoren lägen demnach "auf Rot".

Erstmals führt die WMO den Energiehaushalt der Erde, also das Tempo, mit dem Energie in das und aus dem Klimasystem strömt, als gleichrangigen Schlüsselklarindikator. In einem stabilen Klima entspräche die einfallende Sonnenstrahlung ungefähr der abgegebenen Energie. Dieses Gleichgewicht ist nach Einschätzung der Fachleute jedoch durch steigende Konzentrationen langlebiger Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid deutlich verschoben. Der daraus resultierende Erwärmungstrend erfasst Atmosphäre und Ozeane und beschleunigt das Abschmelzen von Eis.

Der Energieüberschuss habe sich seit Beginn der Beobachtungen in den 1960er-Jahren kontinuierlich verstärkt und in den vergangenen zwei Jahrzehnten nochmals stark beschleunigt, heißt es in dem Bericht. 2025 wurde ein neuer Höchststand erreicht. Nach den vorliegenden Daten entfällt die überwiegende Mehrheit der überschüssigen Wärme – mehr als 91 % – auf die Ozeane. Die Wärmeaufnahme des Meeres bis in 2.000 Meter Tiefe sei in den vergangenen neun Jahren stetig gestiegen und habe 2025 einen neuen Rekord markiert. Dies geht einher mit der Degradation mariner Ökosysteme und langfristigen Veränderungen im Ozean.

Parallel dazu bestätigt die WMO, dass der Zeitraum von 2015 bis 2025 die elf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen umfasst. Das Jahr 2025 rangiert demnach auf Platz zwei oder drei der bislang heißesten Jahre und lag etwa 1,43 Grad Celsius über der Durchschnittstemperatur der vorindustriellen Referenzperiode 1850 bis 1900. Bereits das vorangegangene Jahr, das unter dem kühlenden Einfluss eines La-Niña-Ereignisses stand, zählte trotz dieser natürlichen Dämpfung zu den wärmsten überhaupt und überschritt den vorindustriellen Mittelwert ebenfalls um 1,43 Grad.

Die WMO führt diese Entwicklung maßgeblich auf von Menschen verursachte Emissionen von Treibhausgasen zurück. Die anthropogenen Einflüsse verschärften das natürliche Gleichgewicht des Klimasystems zunehmend, erklärte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. Die Weltgemeinschaft müsse sich darauf einstellen, mit den Folgen der bereits angestauten Wärme über Hunderte, möglicherweise Tausende von Jahren zu leben, warnt die Organisation – von anhaltend erhöhten Meerestemperaturen über veränderte Wettermuster bis hin zu schleichenden Veränderungen in Ozeanen und Kryosphäre.