Novartis stärkt Immunologie-Geschäft mit Milliardenübernahme in den USA

30.03.2026


Novartis baut sein Geschäft in der Immunologie mit einem weiteren Zukauf aus. Der Schweizer Pharmakonzern will das kalifornische Biotechunternehmen Excellergy für bis zu 2 Milliarden US‑Dollar übernehmen. Vereinbart sind laut Unternehmensangaben Zahlungen in Form von Vorab- und Meilensteinzahlungen. Mit der Transaktion zielt Novartis darauf ab, seine Position im wachsenden Markt für Behandlungen von Nahrungsmittelallergien und anderen allergischen Sofortreaktionen zu stärken.

Im Zentrum des Deals steht der Wirkstoffkandidat Exl-111 von Excellergy. Der Ansatz zielt darauf ab, das Immunglobulin E (IgE) zu blockieren – ein Schlüsselmolekül bei vielen allergischen Reaktionen. Durch die gezielte Blockade von IgE erhofft sich Novartis eine schnellere und effektivere Linderung von Symptomen als mit bisherigen Therapien. Potenzielle Einsatzgebiete reichen von Asthma und Nesselsucht bis hin zu Nahrungsmittelallergien; auch eine Anwendung bei Kindern wird derzeit untersucht. Exl-111 befindet sich noch in einer frühen klinischen Testphase.

Die Übernahme von Excellergy fügt sich in eine breitere Strategie von Novartis ein, das eigene Immunologie-Portfolio auszubauen. Der Markt für Allergiebehandlungen wächst stetig, getrieben von steigender Diagnoserate und einem hohen medizinischen Bedarf an zielgerichteten Therapien. Novartis sieht hier nach eigenen Angaben erhebliches Potenzial und will sich mit innovativen Biotech-Plattformen Zugang zu neuen Behandlungsoptionen sichern. Gleichzeitig baut der Konzern damit seine Pipeline in einem Segment aus, das als struktureller Wachstumstreiber gilt.

Die Transaktion soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der üblichen Vollzugsbedingungen und der Genehmigung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden. Für Novartis ist es bereits der zweite größere Deal in kurzer Zeit: Erst in der Vorwoche hatte der Konzern den Erwerb eines Brustkrebs-Wirkstoffkandidaten von der US-Biotechfirma Synnovation Therapeutics im Volumen von bis zu 3 Milliarden US‑Dollar angekündigt. Mit der Abfolge solcher Akquisitionen unterstreicht Novartis seinen Fokus auf spezialisierte Therapiefelder mit hoher Wertschöpfung und langfristigem Wachstumspotenzial.

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Reformwillen ohne Ergebnis: WTO vertagt Digitalzoll-Frage nach Genf

30.03.2026


Die 14. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Kameruns Hauptstadt Jaunde ist in einer Kernfrage ohne Ergebnis zu Ende gegangen: Das seit 1998 bestehende Moratorium, das Mitgliedstaaten daran hindert, Zölle auf elektronische Übertragungen zu erheben, ist ausgelaufen. Hintergrund ist ein Veto Brasiliens gegen einen Kompromiss, der eine Verlängerung um mehrere Jahre vorgesehen hätte. Die Einigung galt im Vorfeld als Schlüsselthema, weil sie als Signal für die Handlungsfähigkeit der WTO im digitalen Zeitalter gewertet wurde.

Das Moratorium schützte bisher eine breite Palette grenzüberschreitender digitaler Angebote vor Abgaben – von Filmen und Musik über Software und E-Books bis hin zu Datenbanken, Konstruktionsplänen und Cloud-Diensten. Die USA und andere Industriestaaten hatten für eine langfristige, teils sogar dauerhafte Verlängerung geworben. Entwicklungsländer und Schwellenökonomien argumentieren dagegen seit Jahren, ihnen entgingen durch den Zollverzicht potenzielle Einnahmen, die sie in Infrastruktur und eigene digitale Kapazitäten investieren könnten.

Nach Angaben von Diplomaten lagen die Positionen Brasiliens und der USA bis zuletzt weit auseinander. Washington drängte auf eine längerfristige oder permanente Verlängerung, während Brasilien nur eine deutlich kürzere Frist akzeptieren wollte. Weil WTO-Beschlüsse Einstimmigkeit erfordern, reichte das brasilianische Nein aus, um den Kompromiss zu blockieren. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala bestätigte, dass das Moratorium damit formell ausgelaufen ist, betonte jedoch, die Gespräche würden weitergeführt und man hoffe, die Regelung wieder in Kraft setzen zu können.

Ökonomisch erhöht das Ende des Moratoriums die Unsicherheit für Unternehmen, die auf digitale grenzüberschreitende Geschäftsmodelle setzen. Mitgliedstaaten sind nun grundsätzlich frei, Zölle auf digitale Übertragungen zu erheben, auch wenn bislang offen ist, ob und in welchem Umfang sie davon Gebrauch machen werden. Politisch wird das Scheitern als weiterer Rückschlag für eine Organisation gewertet, die seit Jahren um ihre Relevanz im globalen Handel ringt. Zwar berichten Delegierte von Fortschritten bei einer umfassenderen Reformagenda für die WTO, konkrete Vereinbarungen wurden in Jaunde jedoch nicht getroffen. Die Verhandlungen sollen im Mai am WTO-Sitz in Genf fortgesetzt werden.