Sandoz-Beschäftigte in Kundl vor ungewisser Zukunft nach F&E-Schließung

16.03.2026


Der Generika-Hersteller Sandoz plant an seinem Standort im tirolerischen Kundl einen tiefgreifenden Umbau: Das dortige Development Center, das auf die Entwicklung generischer Arzneimittel spezialisiert ist, soll geschlossen werden. Rund 100 Beschäftigte verlieren damit nach Unternehmensangaben ihren Arbeitsplatz, nach Darstellung des Betriebsrats könnten es insgesamt sogar zwischen 170 und 190 Stellen werden. Offiziell bestätigt Sandoz bislang nur die Schließung des Entwicklungszentrums und verweist auf einen laufenden Konsultationsprozess mit dem lokalen Betriebsrat.

Das Unternehmen betont, die Maßnahme betreffe ausschließlich die Entwicklungsorganisation. Die Antibiotika-Produktion sowie die Antibiotika-Forschungsabteilung in Kundl sollen demnach unverändert weiterlaufen. Kundl bleibe damit strategisches Zentrum für Penicilline im Konzern. Das Development Center habe zuletzt eine breite Palette an Arzneimitteln unterstützt und sei nicht ausschließlich auf Antibiotika fokussiert gewesen. Laut Sandoz sollen die betroffenen Mitarbeiter mit "Sorgfalt und umfassenden Unterstützungsangeboten" beim Übergang in neue Beschäftigung innerhalb oder außerhalb des Konzerns begleitet werden.

Deutlich alarmierter zeigt sich die Arbeitnehmerseite. Nach Angaben des Betriebsrats könnten zusätzlich zu den mehr als 100 Stellen im Development Center weitere Jobs in zwei Abteilungen wegfallen, während eine aufgelöste Einheit nach Slowenien und Indien verlagert werden soll. Für viele Mitarbeiter sei die angekündigte Schließung eine "Tragödie", heißt es aus der Belegschaftsvertretung: Viele Betroffene hätten in der Region fest Fuß gefasst und stünden nun vor erheblichen privaten und beruflichen Unsicherheiten.

Gewerkschaft und Politik kritisieren den Stellenabbau scharf. Die Gewerkschaft GPA fordert eine eigene Arbeitsstiftung für die Betroffenen und verweist darauf, dass Sandoz in den vergangenen Jahren zwar rund 200 Millionen Euro in die Produktion in Tirol investiert habe, nun aber dennoch Arbeitsplätze abbaut. Gleichzeitig verlagere der Konzern seinen Schwerpunkt zunehmend auf die Herstellung von Biosimilars, mit Fokus auf Standorte wie Slowenien – eine strategische Neuausrichtung, die in Kundl die Sorge vor weiteren Kürzungen schürt.

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Tecan startet Transformationsprogramm «Rewired» nach Milliarden-Ziel trotz Verlust

16.03.2026


Die Tecan Group hat ein schwaches Geschäftsjahr 2025 mit einem tiefroten Abschluss verbucht und reagiert mit einem umfassenden Transformationsprogramm. Der Laborausrüster aus Männedorf verzeichnete in Lokalwährungen einen Umsatzrückgang von 1,6 % auf 882,5 Millionen Franken. Das bereinigte EBITDA sank auf 142,1 Millionen Franken nach 164,4 Millionen im Vorjahr, die bereinigte Marge fiel auf 16,1 % von zuvor 17,6 %. Bereinigt um negative Wechselkurseffekte und Zölle in Höhe von insgesamt 200 Basispunkten lag die EBITDA-Marge bei 18,1 % und damit im Rahmen der früher kommunizierten Prognosen.

Unter dem Strich stand 2025 ein Nettoverlust von 110,7 Millionen Franken. Hauptgrund sind nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 139,5 Millionen Franken, die im Zuge einer strategischen Restrukturierung weniger rentabler oder verlustbringender Produktlinien vorgenommen wurden. Diese Belastungen trafen die Gewinn- und Verlustrechnung deutlich stärker als von Analysten erwartet, die zwar mit rückläufigen Ergebnissen, aber nicht mit einem Jahresverlust gerechnet hatten. Dennoch soll den Aktionären eine unveränderte Dividende von 3,00 Franken pro Aktie vorgeschlagen werden.

Kern der Neuausrichtung ist das Transformationsprogramm «Rewired», mit dem Tecan seine Profitabilität und Marktstellung in der Laborautomation stärken will. Im Fokus stehen Portfoliooptimierung und operative Exzellenz, unterstützt durch verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Automatisierungstechnologien. Die Unternehmensführung verweist auf robuste, langfristige Wachstumstreiber im Markt für Laborautomation, der zuletzt unter anderem durch Währungseffekte, Zölle und eine verhaltene Nachfrage belastet war. Für 2026 stellt Tecan ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht, bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 15,5 % und 16,5 %.

Trotz der kurzfristigen Rückschläge hält das Unternehmen an seinen Mittelfristzielen fest. Tecan geht von einer allmählichen Erholung der Endmärkte mit einem Wachstum von 1 bis 3 % in den Jahren 2027 und 2028 aus. Bis 2028 strebt der Laborausrüster einen Umsatz von 1 Milliarde Franken und eine bereinigte EBITDA-Marge von 20 % an. Das Programm «Rewired» soll dabei helfen, das Geschäft profitabler auszurichten und die anvisierte Skalierung zu erreichen, nachdem 2025 ein Umsatzniveau von knapp 883 Millionen Franken und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,1 % erzielt wurden.