Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente hat seinen Rücktritt angekündigt, nachdem das Land innerhalb eines Jahres zwei schwere Zugunglücke erschütterten. In einer Anhörung im Kongress erklärte Puente, dass ein Verkehrsminister nach zwei solchen Vorfällen nicht im Amt bleiben könne. Er informierte Ministerpräsident Pedro Sánchez erst kurz vor der Bekanntgabe über seine Entscheidung. Zudem wird Puente nicht mehr bei der vorgezogenen Wahl am 29. November antreten.
Der jüngste Unfall ereignete sich in der vergangenen Woche nahe der Gemeinde Urda südlich von Madrid, bei dem ein Zug der staatlichen Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auffuhr. Insgesamt 69 Menschen verloren ihr Leben, darunter 40 Männer und 29 Frauen. Zudem wurden rund 200 Personen verletzt, von denen 37 weiterhin in Krankenhäusern behandelt werden. Zuvor waren im Januar in Adamuz in Andalusien 46 Menschen bei einer Kollision gestorben, wobei dort ein Gleisbruch als Ursache gilt.
Die Ermittlungen zum Unglück in Urda konzentrieren sich auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen im Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif. Berichten von El País zufolge äußerte Puente Zweifel an der Entscheidung der Leitstelle; es wird vermutet, dass ein Mitarbeiter nach dem Systemausfall falsche Anweisungen gab. Als Gegenmaßnahme wird die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla reduziert, bis das neue europäische Zugsicherungssystem ERTMS in Betrieb geht. Zudem muss künftig ein zweiter Mitarbeiter Anweisungen prüfen, um Fahrten bei unklaren Verhältnissen zu verhindern.
Parallel zum Rücktritt verabschiedete die Regierung ein 30-Millionen-Euro-Hilfspaket für Opfer und Angehörige, das staatliche Hilfen und eine Verdoppelung der gesetzlichen Fahrgastversicherung umfasst. Puente verwies zudem auf ein bereits aufgelegtes Modernisierungsprogramm für die Bahn in Höhe von 780 Millionen Euro. Zur weiteren Stabilisierung sollen die Personalstärke in den Kontrollzentren erhöht und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Um Reisende während Streckensperrungen zu entlasten, wurden zudem Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel festgelegt.



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