Stabübergabe bei Stadler: Bernsteiner geht, Brunner übernimmt – Spuhler treibt Generationenwechsel voran

08.10.2026


Stadler Rail stellt seine Führungsspitze neu auf und vollzieht nach nur vier Jahren einen Wechsel im operativen Kommando. CEO Markus Bernsteiner gibt den Posten Ende Jahr ab. Er begründete seinen Schritt mit dem Wunsch, sich künftig stärker auf strategische Aufgaben in Verwaltungsräten zu konzentrieren. Gleichzeitig betonte er, er habe das Unternehmen erst dann verlassen wollen, wenn die Belastungen der vergangenen Jahre – darunter die Folgen der Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine sowie drei Überschwemmungskatastrophen – abgearbeitet seien. Nun sei eine "saubere Basis" geschaffen, das Fundament für eine höhere Profitabilität liege.

Nachfolger wird der bisherige Leiter der Division Zentraleuropa, Philipp Brunner. Der Manager, der seit sechzehn Jahren für den Schienenfahrzeughersteller tätig ist, soll Anfang 2027 die Konzernleitung von Bernsteiner übernehmen. Das Unternehmen stellt damit bereits den dritten CEO nach Langzeitchef Peter Spuhler an die Spitze. Spuhler, heute Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär, gilt als treibende Kraft im Hintergrund und ist weiterhin mit hohem persönlichem Einsatz im Tagesgeschäft präsent.

Brunner steht für eine interne Lösung und für personelle Kontinuität: Der 42-Jährige hat sich im Konzern vor allem mit Einsätzen im Ausland profiliert. Nach seinem Einstieg 2010 wurde er zunächst als Projektleiter nach Indien entsandt, später baute er in Algerien einen Standort für die Wartung von S-Bahn-Zügen der Marke Stadler auf. Im dortigen Werk musste er nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld zwischen zwei rivalisierenden Mitarbeitergruppen vermitteln. Ab 2012 verantwortete er in Minsk den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts und blieb insgesamt zehn Jahre in Belarus. In den vergangenen fünf Jahren führte er von Warschau aus die Sparte Zentraleuropa und war damit auch für die Verkleinerung des Werks in Minsk zuständig, das zuvor zu einem wichtigen Exportstandort ausgebaut worden war.

Bernsteiner, der seit 27 Jahren im Unternehmen ist und im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, will seine umfangreiche Industrieerfahrung ab 2027 verstärkt in Aufsichtsgremien einbringen. Konkrete Mandate habe er zwar noch nicht, doch Gespräche dazu liefen bereits, erklärte er. Bis Ende Jahr liege sein Fokus auf einer geordneten Übergabe an Brunner. Über die Zusammenarbeit mit Spuhler äusserte er sich positiv: Trotz dessen dominanter Stellung im Unternehmen habe er als CEO die nötigen Freiräume erhalten, persönliche Animositäten oder Ego-Fragen hätten keine Rolle gespielt. Die anstehende Stabübergabe soll nun den Weg für eine jüngere Führungsgeneration ebnen, ohne den von Spuhler geprägten Kurs abrupt zu verändern.

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Vom «Rundschau»-Moderator zum Podcast-Host: Brotz plant Neustart bei Blick

08.10.2026


Sandro Brotz kehrt dem Schweizer Radio und Fernsehen den Rücken und wechselt Anfang 2027 zur Boulevardzeitung «Blick». Der 56-jährige Journalist, derzeit Moderator und stellvertretender Leiter der Polit-Talksendung «Arena», wird SRF Ende Januar 2027 verlassen. Bis voraussichtlich Mitte Januar führt er weiterhin durch die «Arena». Beim zum Ringier-Konzern gehörenden «Blick» soll Brotz einen neuen Video-Podcast aufbauen und moderieren, der mehrmals pro Woche Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgreift.

Der Schritt markiert das Ende einer knapp 15-jährigen SRF-Ära für Brotz. Seit seinem Wechsel nach Leutschenbach im Juni 2012 prägte er zunächst als Moderator der investigativen Sendung «Rundschau» das Programm, später zusätzlich als Gastgeber des «Rundschau Talk». 2019 übernahm er schliesslich die «Arena» von Jonas Projer. Als Grund für den Wechsel nennt Brotz die Möglichkeit, bei «Blick» ein neues Format mitzuentwickeln und damit über die Rolle des klassischen Moderators hinauszugehen. Ganz neu ist das Ringier-Umfeld für ihn nicht: Vor seiner SRF-Zeit war er bereits unter anderem stellvertretender Chefredaktor des «SonntagsBlick».

Der Abgang von Brotz wirft bei SRF unmittelbar die Nachfolgefrage auf. Als Topfavorit galt zuletzt sein Kollege Mario Grossniklaus, der seit 2024 einmal im Monat die «Arena» moderiert und damit Brotz entlastet. Der 49-Jährige hat dieser Spekulation nun jedoch eine klare Absage erteilt. Auf Linkedin schrieb Grossniklaus, er werde sich nicht auf die Nachfolge seines «geschätzten Kollegen» bewerben. Stattdessen wolle er sich auf seine Aufgaben in der Wahlleitung von SRG und SRF konzentrieren – eine Funktion, die er als «grösste und spannendste Aufgabe» seiner bisherigen Karriere bezeichnet.

Mit der Absage von Grossniklaus bleibt offen, wer Brotz ab etwa Mitte Januar beerben wird. SRF verweist darauf, man wolle sich vorerst auf eine geordnete Übergabe der «Arena» konzentrieren. Der Wechsel von Brotz reiht sich ein in eine Serie prominenter Abgänge von SRF in Richtung Dufourstrasse: Bereits zuvor hatten unter anderem Reto Scherrer, Steffi Buchli, Christine Maier, Hannes Britschgi und der frühere «Arena»-Moderator Jonas Projer den Schritt zum Ringier-Konzern gewagt. Die Motive reichen von besseren Angeboten bis hin zum Wunsch, den eigenen Namen in neuen Rollen und Formaten zu positionieren – mit sehr unterschiedlichem Ausgang.