
Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Einschätzung für die Aktien des Bausoftware-Spezialisten Nemetschek deutlich verschärft und die Titel von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft. Das Kursziel wurde von zuvor 76 Euro auf 56 Euro gesenkt und damit in etwa auf das aktuelle Kursniveau angepasst. An der Börse gerieten die Papiere daraufhin spürbar unter Druck; seit dem Rekordhoch im August haben die Aktien bereits fast 60 Prozent an Wert verloren.
Im Mittelpunkt der Kritik von UBS-Analyst Michael Briest stehen die langjährigen Vertragsstrukturen von Nemetschek. Diese seien im ersten Jahr für Umsatz- und Cashflow-Entwicklung zwar positiv, könnten aber ab dem zweiten Jahr zunehmend belastend wirken. Aus Sicht des Experten droht sich das Vertragsmodell damit „von einem Wachstumsmotor in ein Wachstumshemmnis“ zu verwandeln. Briest sieht den bislang starken Cashflow des Unternehmens durch diese Struktur gefährdet.
Zudem verweist die UBS auf die wachsenden Verdrängungssorgen rund um Künstliche Intelligenz. Der Markt könnte die Risiken aus den langfristigen Verträgen mit den Erwartungen eines raschen Umstiegs auf KI-basierte Lösungen vermischen. In einem Umfeld, in dem technologische Innovation und Anpassungsfähigkeit an neue Software-Generationen entscheidend sind, geraten traditionelle Angebotsmodelle unter zusätzlichen Rechtfertigungsdruck.
Charttechnisch bleiben die Nemetschek-Titel unter ihrer 21-Tage-Durchschnittslinie, die bereits seit dem Rekordhoch vom August als Widerstand fungiert und den kurzfristigen Abwärtstrend bestätigt. Die Herabstufung durch UBS erhöht den Druck auf das Management, die Tragfähigkeit der bestehenden Vertrags- und Produktstrategie unter Beweis zu stellen. Wie stark sich die Kombination aus möglicher Cashflow-Abschwächung und KI-Konkurrenz tatsächlich auf die mittelfristige Entwicklung von Nemetschek auswirkt, bleibt indes offen und hängt wesentlich von der Reaktion des Unternehmens und der Nachfrage seiner Kunden ab.
Das Hamburger Luxuskaufhaus Alsterhaus soll erneut den Eigentümer wechseln. Das Family-Office der Schoeller Group plant gemeinsam mit einer großen deutschen Pensionskasse die Übernahme der prominenten Immobilie aus der Insolvenzmasse der Signa-Gruppe. Das teilte die Schoeller Group mit. Der Abschluss des Geschäfts steht allerdings noch unter Vorbehalt: Gläubiger müssen der Transaktion zustimmen, zudem sind regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Das Alsterhaus zählt zu den bekanntesten Einkaufsadressen in Hamburg und gehörte bislang zur Luxusimmobilien-Sparte der österreichischen Signa-Gruppe um René Benko. Der Immobilien- und Handelskonzern war im Zuge steigender Zinsen und Baukosten sowie infolge risikoreicher Zukäufe – darunter die deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof – in die Insolvenz geraten. Für Teile des Immobilienportfolios, zu dem auch das Alsterhaus zählt, ist Insolvenzverwalter Torsten Martini zuständig. Er verweist mit Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht auf eine Stellungnahme zur geplanten Transaktion.
Auf der Mieterseite ändert sich durch den möglichen Eigentümerwechsel zunächst nichts. Das Alsterhaus wird von der KaDeWe GmbH betrieben, die auch das KaDeWe in Berlin und den Oberpollinger in München verantwortet. KaDeWe-Chef Timo Weber betonte auf Anfrage, es bestehe ein langfristiger Mietvertrag. Die Betreibergesellschaft gehört zur thailändischen Central Group, die sich bereits seit Längerem im europäischen Luxuswarenhausgeschäft engagiert.
Finanzielle Details des Deals bleiben vorerst unter Verschluss. Weder zum Kaufpreis noch zur namentlichen Nennung der beteiligten Pensionskasse machte die Schoeller Group Angaben. Der Unternehmensverbund mit Sitz in München und Zürich ist unter anderem auf Mehrwegverpackungen spezialisiert und bündelt über sein Family-Office privates Vermögen. Mit dem Einstieg beim Alsterhaus würde sich die Gruppe einen prestigeträchtigen Standort in bester Lage der Hansestadt sichern, während die Signa-Insolvenzverwalter einen weiteren Baustein in der Verwertung des Portfolios voranbringen.