Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat das Land offenbar in Richtung USA verlassen, obwohl gegen ihn ein gerichtliches Ausreiseverbot vorlag. Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof hatte den 45-jährigen Senator zuvor angewiesen, seine Reisepässe innerhalb von 24 Stunden abzugeben, und die Dokumente annulliert. Bolsonaro ließ diese Frist verstreichen und verließ laut Berichten von CNN und Reuters das Land gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern. Die US-Regierung hat bereits angekündigt, Visa für die Familie ausstellen zu wollen.
Die genauen Details der Ausreise bleiben unklar und weisen auf ein gezieltes Ablenkungsmanöver hin. Während politische Verbündete informiert wurden, Bolsonaro sei über den argentinischen Flughafen Puerto Iguazú gereist, berichtet die Zeitung Folha de S. Paulo, dass er über einen anderen argentinischen Flughafen ausgereist sei. Die argentinische Regierung bestritt eine Einreise generell, und auch die brasilianische Polizei fand zunächst keine Hinweise auf die Ausreise. Die Behörden untersuchen nun, ob der Senator, der seit 2023 auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, das Land illegal verlassen hat.
Hintergrund der gerichtlichen Maßnahmen sind Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Zudem laufen Verfahren wegen Korruption und illegaler Wahlkampfbeeinflussung. Da Bolsonaro im Januar seinen juristischen Sonderstatus als Senator verliert, wird es für die Ermittler einfacher, gegen ihn vorzugehen. In einer Videobotschaft bezeichnete er die Maßnahmen als Einschüchterungsversuch und wies jegliches Fehlverhalten zurück, behauptete zudem, nie daran gedacht zu haben, Brasilien zu verlassen.
Die Flucht erfolgt unmittelbar nach der Stichwahl am Sonntag, bei der Bolsonaro mit 48,2 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verlor, der 51,8 Prozent erhielt. Zunächst erkannte Bolsonaro das Ergebnis aufgrund angeblicher Manipulationen nicht an, bevor seine Partei, die Partido Liberal, die Niederlage zugab. Sein Bruder Eduardo Bolsonaro, der in Texas lebt, hatte ihn öffentlich dazu ermutigt, das Land im Falle einer Wahlniederlage zu verlassen.




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